Zu viel Zeit zum Nachdenken kann manchen Menschen zum Albtraum werden. Deshalb beschäftigen wir uns. Wir arbeiten, gehen ins Fitness, verabreden uns. Jede Sekunde ist durchgeplant. Wir bewegen uns in einem unnatürlichen Rhythmus, viel zu schnell, geben uns keine Zeit. Keine Zeit zum Nachdenken, zum Sein, zum Fühlen. Für viele passt das so – vielleicht auch für dich. Womöglich kennst du es nicht anders. Vielleicht haben deine Eltern dasselbe gemacht. Vielleicht hattest du einmal einen stillen Moment und hast ihn fast nicht ausgehalten.
Vielen Menschen geht es genauso. Du bist nicht alleine. Ganz bei sich zu sein mit den eigenen Gedanken, Emotionen und Gefühlen, ohne sich ablenken zu können – das kann beängstigend sein. Was soll das Ganze, könntest du dich fragen. Vielleicht spürst du Angst, vielleicht zweifelst du und vielleicht bist du einfach nur traurig. Dabei sind genau diese Momente so wichtig. Wir können nicht das ganze Leben lang davonlaufen von diesem Teil in uns. Er gehört genauso zu uns wie alle anderen Teile unseres Lebens auch. «Leben ist Leiden», hat Buddha gesagt, und er hatte recht. Und deshalb laufen wir davon und lenken uns ab. Wir wollen es vermeiden, zu leiden. Doch stell dir vor, es gäbe keine dunklen Momente im Leben. Würdest du die lichtvollen noch erkennen? Wenn ständig alle super glücklich wären, immer alles perfekt laufen würde – würdest du dann wirklich noch schätzen, dass es gut läuft? Dass du glücklich bist? Nein, weil du es gar nicht mehr erkennen würdest.
Fünf Minuten Stille pro Tag
Wenn du beginnst, dir zu erlauben, in die Stille einzutauchen, wirst du erkennen, dass du dort Frieden findest. Vielleicht nicht sofort, doch es wird geschehen. Plane dir Zeit dazu ein, jeden Tag, und seien es nur fünf Minuten. Und wenn du da bist, versuche, nicht davonzulaufen. Bleibe einfach präsent, im Moment. Beobachte deine Gedanken und Gefühle. Versuche nicht, sie zu verstehen oder einzuordnen. Beobachte nur, ganz neutral. Lasse auch die Gedanken wieder weiterziehen. Identifiziere dich nicht mit deinen Gedanken und deinen Gefühlen, sei neutral, beobachtend.
Tu das jeden Tag, fünf Minuten, und ich sage dir, du wirst gelassener, zufriedener. Das Leben wird weniger anstrengend sein, weil du weisst, in dir gibt es einen Ort der Stille, der immer verfügbar ist.
Wie oft rennen wir umher, stürzen uns in Dinge oder spielen Workaholic, um ja nicht präsent sein zu müssen, um ja nicht fühlen zu müssen? Oder wie mir ein Taxifahrer in Indonesien sagte: Wenn es ihm nicht gut gehe, er unzufrieden sei und zu viele Gedanken sowie Emotionen hätte, dann geht er zu seinem Haustempel, betet und bleibt dort einfach in Stille. Er müsse nicht ans Ende der Welt reisen – es sei eigentlich ganz einfach. Er lächelte. Recht hat er. Doch weil wir gelehrt wurden, im Aussen zu leben, zu funktionieren, glauben wir, auch im Aussen alles zu finden, was es zu finden gibt. Das westliche System hat uns nicht gelehrt, nach innen zu horchen.
Es ist nie zu spät. Nur weil wir in einer Highspeed-Welt leben, heisst das nicht, dass wir ständig daran angeschlossen sein müssen. Du darfst dir erlauben, das Tempo zu drosseln, im natürlichen Fluss des Seins zu sein. Beobachte deinen Atem. Er sagt es dir. Ist deine Atmung flach, beschleunigt oder leidest du vielleicht sogar an Atemnot? Dann bist du ziemlich sicher nicht im Fluss. Dein Körper zeigt es dir. Achte darauf. Und wenn du erkennst, dass du nicht im Gleichgewicht bist, dann werde still. Es ist eigentlich ganz einfach.

